Partytime in Miami: Gute Laune, Salsa, Promis, Hits und Korkenknall

Das Tanz-Musical im Düsseldorfer Capitol auf der Überholspur

Die Nächte im rheinischen Miami sind lang und turbulent. Seit dem 3. März liegt die sonnige Metropole Floridas in Düsseldorf. Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt ist "Salsa Town". "Miami Nights", das von dem jungen Regietalent Alex Balga inszenierte Tanz-Musical mit den Mega-Hits der 80-er hat sich zum Publikumsrenner gemausert. Den anhaltenden Erfolg der Show, die selbst in der Woche auf eine durchschnittliche Auslastung von 90 Prozent kommt, feierten Publikum und Künstler im Capitol-Theater unlängst mit einer großen 80-er-Jahre-Party.

Klar, dass der aus einem Bahndepot entstandene Musentempel in der Erkrather Straße auch an diesem Abend (restlos) ausverkauft war. Und unter die Gäste hatten sich viele bekannte und prominente Figuren aus dem Show-Business, aus Film, Fernsehen und Sport gemischt. Sie ließen nach der Aufführung - schon vor dem fetzigen Finale stehen die Besucher im Saal regelmäßig wie eine Eins - im Foyer und im Capitol-Club sich selbst und die Puppen tanzen - begleitet von mannigfachem Korkenknall.

Das Medienecho war entsprechend, die zahlreichen Promis als Multiplikatoren garantieren mit, dass "Miami Nights" auch in den nächsten Monaten in aller Munde ist. Die farbenprächtige Show dürfte noch auf lange Zeit für ein volles Haus gut sein. Nach der Sommerpause - bis dahin liegt hoffentlich die mit Spannung erwartete CD-Einspielung endlich vor - wird es auch einige inhaltliche Änderungen und personelle Verschiebungen geben. Dazu zählt ein modifiziertes Finale. Martin Christoph Rönnebeck, derzeit als "Fred Divine" auf Mambo-Kurs, beerbt Thomas Bayer und schlüpft in die Rolle des listenreichen Tanzlehrers Mr. Bob, den er bislang ja schon gecovert hatte. Und Paulchen Kribbe alias "Roy Fire" bekommt mit "Hey, Mambo" nach "Hip to be square" einen weiteren, maßgeschneiderten Showstopper.


Hahn im Korb an der Salsa-Bar: Helmut Zierl (Mitte) in charmanter Gesellschaft. Der Schauspieler nimmt einen Drink mit den beiden Hauptdarstellerinnen Karin Seyfried (links) und Jessica Schreittmiller (rechts).. (Foto: Jürgen Heimann)

Die illustre Gästeliste reichte von "A" wie Viva-Moderator (Mola) Adebisi bis "Z" wie Schauspieler (Helmut) Zierl. Und weil die Geschichte von "MN" ja in den 80-er Jahren angesiedelt ist, durfte ein Oliver Geissen, Moderator der 80-er Jahre-Show von RTL, natürlich auch nicht fehlen. Zwei ausgebuffte "Miami Vice"-Cops verstärkten das Ensemble auf der Bühne. Nur ballerten Buddy i.R. Fabian Harloff und "Nesthocker" Patrick Bach nicht mit blauen Bohnen durch die Gegend, sondern mit Stratzern aus der Wasserpistole.

Ein cleverer Marketing-Schachzug. Produzent Thomas Krauth und seine Mitstreiter Andrea Friedrichs und Michael Brenner beherrschen ihr Handwerk. Sie inszenieren ein solches (kostspieliges) Happening (dreieinhalb Monate nach der Weltpremiere) zu einem Zeitpunkt, an dem ihr "Baby" boomt, wächst und gedeiht und seinen Zenit noch gar nicht erreicht hat. Andere kommen, wenn überhaupt, erst auf eine derartige, dann aber mehr von Verzweiflung diktierte Idee, wenn sich ein Stück bereits im Sinkflug befindet - und dann ist es ja oft schon zu spät. Davon kann hier keine Rede sein.

Wie man es macht und eine Produktion auch vermarkten und geschickt beflügeln kann, haben Krauth und Brenner ja mit dem 70-er Disco-Spektakel "Saturday Night Fever" in Köln gezeigt. Die Sohlen- und Parkett-Orgie entwickelte sich nach dem Dienstantritt von Manero-Tony und Co. im September 1999 zur erfolgreichsten deutschen Musicalproduktion mit anhaltend, nachgerade traumhaften Auslastungszahlen. Mittlerweile liegt die Besucherzahl weit jenseits der Millionenmarke. Das kommt nicht von ungefähr und ist auch nur teilweise mit der Qualität der Inszenierung erklärbar.


Sean Gerard alias "Jimmy Miller" herzt seine Kollegin Gilda Rebello und freut sich über den anhaltenden Erfolg von "Miami Nights". (Foto: Jürgen Heimann)

SNF sollte ja nun ursprünglich in einer überarbeiteten Fassung ab Ende September als Co-Produktion mit Stella am Potsdamer Platz in Berlin Einzug halten, wo der Buckelige von Notre Dame bereits im Juni letztmals an den Glockensträngen der virtuellen Kathedrale zieht. Durch die neuerliche Insolvenz des kränkelnden Unterhaltungskonzerns steht derzeit zumindest erst einmal ein Fragezeichen hinter diesem Projekt.

Hinter den Kulissen wird nach der Stella-Pleite eifrig um Sahnestückchen, Filethäppchen und Theaterstandorte gepokert. Den entsprechenden Expansionsgelüsten der Stage Holding setzt das finanzstarke US-amerikanische Clear-Channel-Imperium inzwischen Adäquates entgegen. Verhandlungsbeauftragter der Yankees ist (zufällig?) kein Geringerer als eben Impresario Thomas Krauth. Die weitere Entwicklung und Neuausrichtung auf dem deutschen Musicalmarkt verspricht noch spannend zu werden.

(Jürgen Heimann, 22.05.2002)