"Eine Warnung an ältere oder herzkranke Zuschauer: Achtung, auf der Bühne werden Schlaghosen und Plateauschuhe zu sehen sein!"

Zweiter Spielort für "Mamma Mia!" eingeweiht

Mit diesen Worten startete MAMMA MIA! am 18. Juli 2004 in Stuttgart in eine schillernde und mitreißende Show, die einen so schnell nicht wieder los lässt. Und das liegt nicht nur an der Musik, an den Songs von Abba, die der größte Teil der Zuschauer zumindest mitsummen kann. Dabei sei noch angemerkt, dass Michael Kunze eine wirklich wunderbare Übersetzung der Texte gelungen ist.

Außerdem findet hier zur Freude aller keine einfache Aneinanderreihung aller großen Abba-Hits statt, nein, die Songs fügen sich wirklich sinngemäß in die Geschichte des Musicals ein:

Donnas 20- jährige Tochter Sophie möchte heiraten und dabei von ihrem Vater zum Altar geführt werden. Eigentlich keine schwierige Situation, wenn es nicht 3 mögliche Väter wären, die dafür in Frage kommen. Also lädt Sophie die 3 kurzerhand zur Hochzeit ein, allerdings ohne des Wissens ihrer Mutter. Diese fühlt sich durch das Wiedersehen an die Vergangenheit erinnert, als sie noch mit ihren Freundinnen als Gesangstrio "Donna and the Dynamos" auftrat. So nimmt eine sehr bewegende aber auch komische Geschichte ihren Lauf, es sei nur eins verraten, natürlich gibt es ein happy end.

In der Rolle der Donna überzeugt Jasna Ivir voll und ganz. Mit ihrer wirklich sympathischen Art und ihrer ausdrucksvollen, starken Stimme lässt sie die Zuschauer an ihrer Rolle teilhaben, sowohl die Schwierigkeiten als alleinerziehende Mutter, als auch die wilde Donna in den 70er Jahren als Sängerin.
Aus diesem Teil ihres Lebens sind ihre Freundinnen Tanja und Rosie (gespielt von Franziska Becker und Iris Schumacher) nicht wegzudenken. Ihre hinreißend komische Art bringen den kompletten Zuschauerraum zum Lachen und rufen wiederholten Szenenapplaus hervor.

Auch die jüngere Generation der Geschichte, besonders natürlich Sophie und ihr Verlobter Sky (gespielt von Ina Trabesinger und Armin Kahl), macht dieses Musical sehenswert. Voller Schwung meistern sie ihre Aufgabe, energiegeladene Tanzeinlagen und romantische Gefühle wechseln einander ab.
Gegen die geballte Frauenpower haben es die drei Männer natürlich schwer, aber Harry, Bill und Sam (gespielt von Tilo Keiner, Marc Hetterle und Andreas Lichtenberger) überzeugen jeder mit seiner ganz besonderen Art, jede Frau kann sicherlich verstehen, dass Donna keinem der dreien abgeneigt war.
Auch das Ensemble soll nicht unerwähnt bleiben, schließlich macht deren sängerisches, schauspielerisches und tänzerisches Können das Musical erst zu dem was es ist: Ein wirklicher Hit, ein Gute- Laune- Musical, dass man noch lange gerne in Erinnerung behält.

Das Bühnenbild ist relativ minimalistisch gehalten, zwei Wände stellen die Taverne dar, mit der Donna ihren Lebensunterhalt erwirtschaftet, was aber nicht zum Schaden des Musicals ist, die geschickt eingesetzten Beleuchtungseffekte bringen so die Kostüme, besonders die typische Abba- Kleidung aus den 70er Jahren, noch stärker zur Geltung. Auch der Ton weist keine Mängel auf, Orchester und Darsteller harmonieren wunderbar miteinander.

Alles in Allem kann jeder nach einem Besuch des Musicals verstehen, warum es als einzige Großproduktion in Deutschland gleich an zwei Standorten aufgeführt wird. Man würde sich sicher auch gerne ein zweites oder auch drittes Mal verzaubern und mitreißen lassen, wenn die Eintrittspreise etwas gemäßigter wären.

 

(Monika Nauroth & Torsten Spillmann, MrMusical, 27.07.2004)