Einer für alle und alle für einen!

Stage Holding zeigt "3 Musketiere - Das Musical" im Berliner Theater des Westens

"Einer für alle - alle für einen" - ein Bruchteil eines Satzes, der sofort allen sagt, worum es geht: drei Musketiere. Die Musical-Adaption des berühmten Stoffes feierte am 06. April 2005 im Berliner Theater des Westens seine Deutschlandpremiere.

Die Geschichte nach dem Roman von Alexandre Dumas ist vielen bereits bekannt: Der junge d'Artagnan verlässt Familie und Heimat, um in Paris sein Glück zu suchen. Sein sehnlichster Wunsch ist es, zu den Musketieren zu gehören. Er ist jung, unbekümmert, teilweise sogar naiv, und gerät leicht in Schwierigkeiten, allerdings immer aufgrund seines guten Herzens und dem Wunsch, sich für die gute Sache einzusetzen. Dabei trifft er zu einem die 3 Musketiere Athos, Porthos und Aramis, und zum anderen die Kammerzofe von Königin Anna, Constance, seine erste große Liebe. Aber zu einer fesselnden Abenteuergeschichte gehört auch das Böse, verkörpert von Kardinal Richelieu, der die Macht im Königreich für sich haben möchte, und seiner Gehilfin Milady de Winter. D'Artagnan und seine Freunde wissen das Vorpreschen des Möchtegern-Königs zu verhindern. Nicht ohne Schwierigkeiten, aber am Ende siegt natürlich das Gute.

Zu viel wird hier jetzt allerdings nicht verraten. Wer neugierig geworden ist, sollte sich das Musical auf jeden Fall anschauen.

Für jeden ist etwas dabei:
Viel Gefühl wird mit den Geschichten der 3 Frauen (Constance, Königin Anna und Milady de Winter) geboten, was in ihrem gemeinsamen Lied "Wer kann schon ohne Liebe sein" den Höhepunkt findet. Milady de Winter wird einfach umwerfend von Pia Douwes verkörpert, die nicht nur aufgrund ihrer Erfahrung in dieser Rolle eine der tragenden Persönlichkeiten dieses Musicals darstellt. Ihre stimmliche, tänzerische und schauspielerische Leistung ist unglaublich - als einzige Frau ist auch sie an den Degenkämpfen beteiligt. Kristin Hölck als Königin Anna machte bei der Vorpremiere mit ihrem Gesang das etwas gekünstelte Schauspiel sicher wieder wett, eine ebenfalls gute Leistung wird von Sabrina Weckerlin als Constance geboten. Es bleibt zu wünschen, dass von ihr auch in Zukunft noch einiges zu hören und zu sehen sein wird.

Actionreiche Szenen kommen in den 3 Musketieren nicht zu kurz. Zahlreiche Showkämpfe (wobei die "Show" vielleicht ein wenig zu offensichtlich war) lassen die Degen immer wieder im Sonnenschein schimmern. Patrick Stanke als d'Artagnan macht sowohl dabei als auch bei den besinnlichen oder romantischen Szenen mehr als nur eine gute Figur. Die unterschiedlichen Gefühle von himmelhochjauchzend in seiner Liebe zu Constance bis hin zur Trauer um seinen verstorbenen Vater, weiß er den Zuschauern ganz nah zu bringen. Sein Kampf für die Gerechtigkeit wird von Athos (Marc Clear), Porthos (Christian Schleicher) und Aramis (Mathias Sanders) unterstützt, sei es moralischer Beistand in Form von Zusammenhalt und Gemeinsamkeit (die Melodie deren Liedes "Einer für alle und alle für einen" ist einfach nicht aus dem Kopf zu bekommen), als auch kämpferische Unterstützung. Dabei kommt auch der Witz nicht zu kurz, besonders Athos und Porthos bringen das Publikum durch ihre Bemerkungen einige Male zum Lachen.

Dem Auge wird im Theater des Westens noch mehr geboten: Zuerst muss das Bühnenbild erwähnt werden. Der Besucher bekommt viele verschiedene Motive zu sehen. Einer der Höhepunkte ist sicherlich die Überfahrt d'Artagnans von Frankreich nach England auf einem Schiff im sturmgepeitschten Meer. Aber auch die Kostüme dürfen nicht unerwähnt bleiben, mit viel Liebe zum Detail kann sich der Zuschauer in die Zeit des König Luwig XIII hineinversetzen. Aber nicht nur deshalb sind die Ensembleszenen ein Augenschmaus. Tänzerische und gesangliche Leistungen sind perfekt, man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Besonders die Szene "Nicht aus Stein" mit Uwe Kröger als Kardinal Richelieu sei dabei erwähnt. Wie üblich, weiß der Darsteller auch in diesem Musical seine Rolle perfekt zu verkörpern. Allerdings macht er es einem - ebenso wie Pia Douwes - sehr schwer, ihn als Bösen zu akzeptieren. Schließlich haben beide eine unglaubliche Bühnenpräsenz, die von den Guten teilweise nur schwer zu übertreffen ist.

Das Orchester unter der Leitung von Bernd Steixner soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben, die abwechslungsreichen Musik von Rock bis Ballade wird treffend und vor allen Dingen weder zu laut noch zu leise präsentiert.

"Alles was ich will, ist alles" so lautet der Titel des Duetts von Constance und d'Artagnan. Ein Besuch des Musicals "3 Musketiere" bietet ganz sicher alles, was man sich für einen vollkommenen Musicalabend nur wünschen kann. "Alles was ich jetzt noch will", ist eine CD oder DVD von der deutschen Fassung des Musicals. Bislang ist lediglich eine Auskopplung des Songs "Alles", gesungen von Superstar Alexander und Sabrina Weckerlin, auf dem Markt - diese dafür aber sowohl als Maxi-CD, als auch als Special mit Videos und der holländischen Version des Liedes.

(Monika Nauroth, MrMusical, 11.04.2005)