Mit der Gesamtsituation unzufrieden?

Nein, ganz bestimmt nicht nach einem Besuch des neuen Musicals „Der Schuh des Manitu“, das am 07. Dezember 2008 seine Weltpremiere feierte. Mag man den Witz von Bully Herbig, so kann man das Theater des Westens nur mit einem Lächeln auf dem Gesicht und „Wo die Schoschonen schön wohnen“ summend verlassen.

Zunächst einmal stellt sich sicher jedem die Frage: Ein Film als Musical, kann das funktionieren? Lacht man über die Witze noch, wenn man sie bereits im Kino auf der Leinwand gesehen hat? Dies werden sicher schon die Kino-Mehrfachbesucher bestätigen, aber gilt dies auch für einen Musicalbesucher? Definitiv! Die Übernahme der Gags aus dem Film funktioniert hervorragend, die Lieder passen sich nahtlos in das Gesamtgefüge ein – mit Bully Herbigs Humor wird die Musical-Vorstellung selbst auf den Arm genommen.

Szenenapplaus bei besonders bekannten Stellen, wie den mit der Gesamtsituation unzufriedenen Mark Seibert als Ranger, die den Jodelstar suchende Michelle Splietelhof als Uschi. Immer wieder luden die sehr gut in die Thematik eingefügten Lieder den Zuschauer zum Mitklatschen ein. Die Interaktion mit dem Publikum gelingt Falschen Hasen (Thomas Klotz) noch nicht so ganz, die Entscheidung, ob kurzer oder langer Tod wird vom Ensemble getroffen. Ohne ein Lied kann er schließlich nicht aus der Vorstellung verschwinden, dies erinnert ein wenig an „I’m not dead yet“ aus Spamelot.

Stars der Show sind hier nicht unbedingt die Darsteller – diese spielten durchweg rollendeckend, obwohl sie teilweise nicht jederzeit zu verstehen waren, da sie von Ensemble und/oder Orchester übertönt wurden. Zu erwähnen ist hier noch, dass das Orchester sehr pfiffig in das Stück mit einbezogen wird, es ist im ersten Stock des Saloons platziert.

Dieses Musical lebt neben dem Witz von den liebevoll detailliert gestalteten Kostümen und dem raffinierten Bühnenbild: Mit Videoprojektionen auf den Bühnenhintergrund gelangt der wilde Westen in das Theater des Westens, Szenenapplaus für eine Verfolgungsjagd mit dreigeteilter Leinwand von Abahatchi (Mathias Schlung), Ranger, den Schoschonen und Santa Maria (Ingo Brosch) auf Laufbändern ist der Lohn der begeisterten Zuschauer.

Selbst die Achterbahnfahrt durch die Minen wird so überaus realistisch dargestellt. Singende Marterpfähle und Handpuppen runden das Gesamtbild perfekt ab.

Lediglich die Einbettung in Erinnerungen von Abahatchi und Ranger wirkt etwas bemüht – zu Beginn und Ende der Show fehlt ein Knalleffekt.

Alles in allem kann nur gesagt werden: Wer den Humor mag, sollte sich schnellstens mit dem Pferd in den Berliner wilden Westen aufmachen.

(MrMusical; Monika Nauroth, 12.12.2008)